ORTEMA-Chef nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben

ORTEMA-Chef nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben

Wir trauern um Hartmut Semsch

Was immer Hartmut Semsch angepackt hat, weniger als 100 Prozent Einsatz waren für ihn nicht akzeptabel. „Handbremse lösen und Vollgas geben!“ lautete sein Motto, mit dem er als Geschäftsführer das Orthopädie-Technik Unternehmen ORTEMA über die Grenzen Markgröningens hinaus weltweit bekannt gemacht hat. Am 29. April wäre der gebürtige Ludwigsburger 60 Jahre alt geworden. Das war ihm nicht mehr vergönnt. Er starb am 7. Januar 2020 nach kurzer, schwerer Krankheit.

1986 begann Hartmut Semsch als Orthopädiemechaniker in der Orthopädischen Werkstatt der Klinik Markgröningen. Zwei Jahre später legte er erfolgreich seine Meisterprüfung ab und bereits 1989, gerade einmal 29 Jahre jung, übernahm er die Leitung der Orthopädischen Werkstatt.

Die Reise beginnt
Als wäre sein Auftrag, die Werkstatt zu einem modernen Handwerksbetrieb weiterzuentwickeln, nicht Herausforderung genug, machte sich „Hartl“ Semsch daran, über die Region hinaus die Welt zu erobern. Mit seiner ansteckenden Begeisterung, seinem Tatendrang und seiner hohen Kompetenz hatte er schnell ein junges Team geformt, das sich auf eine da noch nicht absehbare Reise gemacht hat. Dass es tatsächlich fast die ganze Welt werden sollte, hat damals niemand geglaubt und auch nicht erwartet.

Einweihung des Neubaues der ORTEMA im Jahre 1999


Seit Gründung der ORTEMA im Jahr 1994 arbeiten die beiden ORTEMA-Geschäftsführer Olaf Sporys und Hartmut Semsch Hand in Hand zusammen. Auf unserem Foto von 1999 weihen die beiden den Neubau der ORTEMA ein.

Hartmut Semsch und Olaf Sporys beim 25-jährigen Jubiläum


Die Haare etwas lichter und „in Ehren“ ergraut: Hartmut Semsch und Olaf Sporys beim 25-jährigen Jubiläum, das die ORTEMA im vergangenen Jahr feierte.

 

Der Zugang zu dieser Welt war nur durch die Gründung der ORTEMA GmbH als 100 %ige Tochter der Orthopädischen Klinik Markgröningen (OKM) möglich, die Anfang 1994 an den Start ging. Gründerstimmung zog in die Räumlichkeiten ein und in vielen kleinen und größeren Schritten entwickelten sich die beiden Unternehmen gemeinsam weiter.

Getrieben - im positiven Sinn - durch einen Chef, der die ORTEMA wie sein eigenes Unternehmen führte. Gespürt hat man dies ganz besonders bei den legendären ORTEMA-Festen, die immer unter dem Motto standen, wer viel arbeitet, darf auch einmal so richtig feiern.

„Vom Scheitel bis zur Sohle kompetent“
Er trieb für sein Leben gerne Sport, und ganz besonders begeisterte sich Hartmut Semsch fürs Skifahren. Eine dabei erlittene schwere Knieverletzung hat er in dem von ihm so geliebten handwerklichen Beruf genutzt, um anderen „Gleichgesinnten“ zu helfen, sich gar nicht erst zu verletzen oder nach Verletzungen schnell und geschützt wieder Sport treiben zu können. Dies war die „Geburtsstunde“ der Prävention und Schutzfunktion in der Orthopädietechnik. Von all diesen Entwicklungen - Knieorthesen, Rückenprotektoren oder Nackenschutzsysteme - haben nicht nur viele Spitzensportler profitiert, sondern auch Breitensportler sowie alle Patientinnen und Patienten.

Versorgung der Athleten bei der Ski-WM im schwedischen Are im vergangenen Jahr
norwegischen Abfahrtsspezialisten Aleksander Kilde
Hartls zweite große Leidenschaft galt dem Motorsport


Hartmut Semsch war kein „Schreibtischtäter“: Wann immer es ging, kümmerte er sich vor Ort um „seine“ Athleten, wie im vergangenen Jahr bei der Ski-WM im schwedischen Are. Dort versorgte er den deutschen Rennläufer Stefan Luitz mit einer Schulterorthese (Foto links) und ermöglichte ihm so, überhaupt an den Start zu gehen. Für den möglichst perfekten Sitz eines Rückenprotektors nimmt der ORTEMA-Chef Maß beim norwegischen Abfahrtsspezialisten Aleksander Kilde.
Hartls zweite große Leidenschaft galt dem Motorsport. Privat „sammelte“ er italienische Motorräder und wann immer es ging, setzte er sich selbst auf eine Maschine - egal ob On- oder Offroad.

 

Der Journalist und Freund Ivo Schützbach zeichnete in einem Nachruf ein treffendes Bild von ihm: „Hartl hatte immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, er war zugänglich, verständnisvoll, hilfsbereit und vom Scheitel bis zur Sohle kompetent – ein rundherum liebenswürdiger Mensch. Er war immer für seine Sportler da, hatte ein offenes Ohr für deren Sorgen und setzte bei Problemen und Verletzungen Himmel und Hölle in Bewegung, um sie zu unterstützen oder wieder fit zu bekommen. Dabei half die Angliederung der ORTEMA an die Klinik in Markgröningen, welche über eine der besten Knie-, Hand- und Schulterchirurgien verfügt.“

Hartmut Semsch hat die ORTEMA nicht nur mitgegründet, sondern in den vielen Jahren maßgeblich entwickelt und geprägt. So ist aus der früheren orthopädischen Werkstatt ein hoch angesehenes, mittelständisches Unternehmen geworden, das mit all seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gesundheit lebt - und das mit einer Begeisterung, die ihresgleichen sucht. Davon hat der ganze Standort profitiert.

K-COM Knieorthese für Motorrad-Legende Kevin Schwantz

Eine K-COM Knieorthese für Motorrad-Legende Kevin Schwantz. Der ehemalige Straßen-Weltmeister aus den USA benötigte die High-Tech Orthese aus Carbon mit Titangelenken fürs Endurofahren. Die individuell gefertigte K-COM hatte Hartmut Semsch vor mehr als 30 Jahren selbst entwickelt, nachdem er sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und mit den damals verfügbaren Produkten nicht zufrieden war.

 

Hartmut Semsch hinterlässt eine große Lücke. Einer seiner letzten großen Wünsche galt „seiner“ ORTEMA und dass sie gut weitergeführt wird. Dafür hat er selbst den Grundstein mit einer hervorragenden Mannschaft gelegt.

Die ORTEMA und „Hartl“ Semsch werden immer miteinander verbunden bleiben.


Der Trauergottesdienst findet am Mittwoch, den 22. Januar 2020, um 13:00 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche (am Marktplatz) in Stuttgart-Bad Cannstatt statt.